Streit ist ganz normal – aber was dann?
Streit gibt es in jeder Beziehung. Manche Menschen diskutieren laut und temperamentvoll, andere ziehen sich zurück und schweigen. Konflikte sind Teil unseres Lebens, sie sind menschlich. Doch wie wir damit umgehen, hängt stark von unserer Vergangenheit ab: Wie haben wir in unserer Kindheit gelernt, Konflikte zu lösen? Welche Muster haben wir übernommen?
Eines ist sicher: Streiten an sich ist nicht das Problem. Oft scheitern wir an der Versöhnung. Und genau da wird es für Beziehungen schwierig. Denn nur wenn wir Konflikte wirklich klären, können wir danach wieder Nähe aufbauen.
Warum klappt die Versöhnung oft nicht?
Stell dir vor, du hast mit deinem Partner oder deiner Partnerin gestritten. Du fühlst dich missverstanden und verletzt. Dein Gegenüber fühlt sich aber genauso. Beide denken, sie seien das Opfer – und sehen im anderen den Schuldigen. In diesem Moment passiert etwas Entscheidendes: Der Konflikt bleibt ungelöst. Er schwebt weiter wie eine dunkle Wolke zwischen euch.
Ohne Klärung entsteht kein Mitgefühl. Und ohne Mitgefühl bleiben wir auf Distanz. Das tut weh, macht einsam und sorgt langfristig für Misstrauen.
Wenn Konflikte nicht repariert werden
Ungeklärte Konflikte haben Folgen:
- Ängste wachsen. Es entsteht das Gefühl, dass Streit sowieso nichts bringt. Also zieht man sich zurück.
- Misstrauen macht sich breit. Ihr schaut euch kritisch an, immer in Erwartung des nächsten Konflikts.
- Distanz wird zur Normalität. Die Nähe, die euch einst verbunden hat, schwindet.
Vielleicht erkennst du dich in einer dieser Dynamiken wieder:
- Du meidest Streit aus Angst vor neuen Verletzungen.
- Oder du wirst lauter, kritisierst und hoffst insgeheim, dass dein Schmerz doch noch gehört wird.
Beides sind Schutzmechanismen, die oft tief in unseren Erfahrungen verwurzelt sind. Doch sie schaffen keine Lösung – im Gegenteil.
Frustration, Resignation und der „Elefant im Raum“
Manchmal stecken Paare über Jahre hinweg in denselben Konflikten fest. Sie reden zwar darüber, aber die Gespräche enden immer gleich: in Frustration. Irgendwann hört ihr einfach auf, Probleme anzusprechen. Doch der „Elefant im Raum“ – die unausgesprochenen Konflikte – bleibt.
Und er hat Auswirkungen:
- Ihr baut euch gegenseitig immer negativere Geschichten im Kopf zusammen.
- Ihr glaubt zu wissen, was der andere denkt, fühlt oder warum er sich so verhält.
Doch genau das verhindert echten Austausch.
Die Folge? Ihr bleibt in euren eigenen Welten gefangen.
Wie könnt ihr wieder zueinanderfinden?
Viele meiner Klient*innen beschreiben in Konflikten dasselbe Gefühl: Sie fühlen sich unsichtbar. Ihr Partner oder ihre Partnerin nimmt ihre Bedürfnisse nicht wahr.
Doch oft entdecken wir gemeinsam, dass auch sie selbst unsichtbar bleiben – leise, zurückgezogen, manchmal fast wie hinter einer Wand. Und das Gegenüber? Sieht sie nicht, weil sie sich nicht zeigen.
Versöhnung bedeutet: einander sehen.
- Fragt einander: Wie fühlst du dich? Was brauchst du?
- Zeigt euch offen – auch wenn es Mut kostet.
- Und hört wirklich zu, ohne sofort zu reagieren oder euch zu verteidigen.
So entsteht Schritt für Schritt wieder Verbindung. Und das ist die Basis für echte Partnerschaft.
Der erste Schritt zur Veränderung
Fühlst du dich in deinem Beziehungsmuster gefangen? Hast du Angst, dich zu zeigen? Wenn du merkst, dass du in eurer Streitdynamik so nicht weitermachen willst, dann lass uns reden. Gemeinsam können wir neue Wege finden, wie du deine Bedürfnisse zeigst – und wie ihr euch wieder näherkommt.
Ich bin für euch da!