10 neugierige Fragen an die Autorin eines Befriedigungsromans

von Sexualität

Warum das Bett ein guter Ort zum Lesen, Lieben und Lachen ist

Anria Brandstätter im Interview auf der 3sat Bühne der BUCH WIEN (Messe und Festival)

Die Sexologin Anria Brandstätter schreibt unter dem Pseudonym Victoria Brand

Weil das Bett ein guter Ort zum Lesen, Lieben und Lachen ist, und man manchmal die Dinge beim Namen nennen muss, hat Anria einen urkomischen und zugleich herrlich-ehrlichen Roman geschrieben.

Im Sommer 2024 erschien im Ullstein Verlag mein Befriedigungsroman „Nimm mich (wie ich bin), sonst mach ich’s selbst“. Mein Literaturagent Günther Wildner hat mich zum Interview gebeten und mir eure drängendsten Fragen gestellt.

Dein Buch überrascht mit einer herrlich ungehemmten, und dabei urkomischen Melange aus Erotik, Frauen-Empowerment und Selbstfindung. Hat dich deine Arbeit als klinische Sexologin auf die Idee für den Roman gebracht?

Eigentlich kam mir die Idee schon einige Jahre zuvor. Genau genommen wurde sie von meinen Leserinnen initiiert. In meinem ersten Roman – übrigens ein Thriller – gab es in der Nebenhandlung ein paar Erotik-Szenen und Liebesgeschichten. Und diese kamen so gut an, dass Leserinnen mehr davon wollten. Also hab ich das gemacht.

Du bist Autorin und klinische Sexologin. Ersteres ist soweit klar, aber was bitte macht eine klinische Sexologin? Im wahrsten Sinne des Wortes: Bitte klär uns auf!

Ich rede über Sex, Liebe und Partnerschaft. Oder eigentlich reden meine Klient*innen darüber – ich höre zu und helfe ihnen. Denn die Anliegen, mit denen meine Klient*innen zu mir kommen, lasten meist schwer auf ihren Schultern.

Hand aufs Herz. Wenn Frauen über Sex schreiben, schreiben sie dann über ihre eigenen sexuellen Träume und Wünsche?

Die Frage wird mir oft gestellt. Und ich muss jedes Mal schmunzeln, weil es im Umkehrschluss bedeutete, dass ich als Thriller- und Krimiautorin morbide Träume hätte und eine latente Serienmörderin wäre.

Jetzt sind wir aber enttäuscht …

(lacht) Ja, auch das höre ich oft. Weil in uns allen ein Hauch Voyeurismus steckt und uns nach Sensationen gelüstet.
Meine Bücher sind aber keine erotischen Tagebücher und auch kein Mommy-Porn, den ich am Küchentisch sitzend verfasst habe, als die Kinder in der Schule waren. Als klinische Sexologin wurde ich fachlich ausgebildet und kenne viele sexuelle Anliegen und Herausforderungen, die ich als Geschichten in „Nimm mich“ verpacke.

Was hat dich dann zu diesen vielen, urkomischen Szenen inspiriert?

Abseits meiner Ausbildung, die durchaus ernste Themen behandelt, habe ich großartige Inspirationsquellen, die ein nicht versiegender Quell an herrlichen Geschichten und Anekdoten sind. Sie haben ihre Erlebnisse mit mir geteilt und dadurch meine Figuren lebendig gemacht.

Wissen diese Personen, dass du ihre Geschichten niedergeschrieben hast?

(lacht) Selbstverständlich! Und sie lieben es. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, liefern sie mir direkt ein neues Kapitel für das nächste Buch.

Klingt nach unterhaltsamen Gesprächen. Dein Buch behandelt zwischen den vielen lustigen und leidenschaftlichen Passagen aber im Grunde ein sehr ernstes Thema: Die mangelnde Selbstliebe, die wir uns häufig entgegenbringen. Warum hast du diese Form gewählt, um dieses Thema zu adressieren?

Weil sich ernste Dinge mit Humor einfach leichter verdauen lassen. Ich wollte mich einerseits von der typischen Albernheit der Chick-Lit-Romane lösen, aber andererseits auch kein Sachbuch oder neunmalklugen Ratgeber schreiben.
Ich wollte einen Roman schreiben, der zugleich unterhaltet und Frauen aus der Seele spricht. Ein Buch, das Tiefgang hat, aber nicht belehrt, sondern auf subtile Art Denkanstöße gibt und inspiriert.

Der Begriff Befriedigungsroman kam dann vom Verlag und ich fand das total passend. Befriedigung bedeutet für mich eine positive Zustandsveränderung. Dabei geht es nicht unbedingt um Sexualität, sondern um ganz viele Bereiche. Wenn meine Erwartungen erfüllt wurden und es mir idealerweise nachher vielleicht sogar besser geht als vorher, bin ich befriedigt.

„Nimm mich“ spricht auch Themen an, die in Liebesromanen häufig umschifft werden. War das eine bewusste Entscheidung?

Ja, unbedingt! Ich bin da völlig ungehemmt an die Sache rangegangen und habe keine Scheu vor Fragen wie: Wieso wird im Alter das Essen auf Partys immer besser, die Gespräche aber immer fader? Warum gilt man irgendwann zu alt für Flaschendrehen? Was ziehst du zu einer Sex-Party an, wenn zum Rasieren der Beine keine Zeit mehr bleibt? Und wie um Himmels Willen reagierst du, wenn du vor deinem Liebhaber pupst? 😉

Also Finger-Fick statt Finger-Food?

(lacht) Unter anderem. Es ist eine Reise voller Abenteuer, Selbstermächtigung und Body Positivity, auf der Alex lernt, dass Schamlippen gar nicht zum Schämen sind, dass Flirten geübt sein mag, und dass eine Glory Hole kein Kirchenchor ist. Frei nach dem Motto „Dirty Talk statt Small Talk“.

Was bewunderst du an deiner Protagonistin Alex am meisten?

Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte und schlussendlich auch ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstermächtigung. Denn am Ende ist sie es, die eine Veränderung nicht nur herbeisehnt, sondern auch herbeiführt.

Also ist Alex eine Heldin?

(lacht) Ganz und gar nicht. Alex ist in gewisser Weise sogar eine Anti-Heldin. Sie hadert mit ihrem Körper und ihrem Schicksal, und ist auf weite Strecken sehr unsicher und furchtbar sarkastisch. Außerdem ist sie großartig darin Ausreden zu finden und sich über alles und jeden zu ärgern. Das macht sie menschlich und deshalb erkennen wir uns oft selbst in ihr wieder.

Wie kriegt Alex dann die Kurve? Und sag jetzt nicht, Therapie ist die Lösung.

(fröhlich) Keine Sorge!
Natürlich wäre es praktisch, einfach mal alles auf die Mutter und die verkorkste Kindheit zu schieben. Schön auch, wenn man die Gesellschaft für alles verantwortlich machen kann. Und ja, das Therapiesofa ist auch ein sehr bequemer Ort. Aber es ist nicht der Ort, an dem Veränderungen vollzogen werden. Dort kriegt man in vielen Fällen Unterstützung oder die Initialzündung, um etwas zu verändern, aber tun muss man schon selbst.

Und so findet auch Alex einen Weg, sich aus all dem „rauszuwurschteln“, wie man auf wienerisch so schön sagt. Und diesen Weg geht Alex auf ihre ureigenste Art und Weise. Also ist sie vielleicht doch eine Heldin.

Bleiben wir bei Helden und Märchen. Was macht Christian, den Märchenprinzen der Geschichte, so besonders?

Christian hat tatsächlich etwas von einem Helden in weißer Rüstung, auch wenn er durch und durch unkonventionelle Methoden hat, dies zu zeigen. Er bedient unsere romantische Ader und lässt uns träumen. Er ist aber kein mittelalterlicher Ritter, sondern vertritt eine sehr feministische Einstellung, ohne toxisches Männerbild. Und das macht ihn herrlich männlich und sexy.

Haben wir dann mit Romantik und Kitsch zu rechnen – oder nicht?

Ich hasse Kitsch, aber ich liebe Romantik – und habe mich um einen Balanceakt bemüht. Jedes Mal, ehe es unerträglich wird, schmeißen Alex und Christian Zynismus oder Witze um sich und nehmen dadurch den Druck raus. Weil gerade das Bett doch ein guter Ort zum Lesen, Lachen und Lieben ist.

Dennoch stoßen Christians unkonventionelle Art und seine Vergangenheit auf viel Gegenwehr …

Ja, er polarisiert im Buch genauso, wie er es auch im echten Leben täte. Alex‘ alter Freundeskreis repräsentiert Vorurteile und gesellschaftliche Normen. Sie finden Christians Verhalten für sein Alter unangebracht und sorgen sich um den Ruf ihrer Freundin. Zugleich neiden sie Alex aber auch ihre neu gewonnene Freiheit und ihre Abenteuer, weil sie in ihrem eigenen Denken und Glaubenssätzen zu sehr gefangen sind, um auszubrechen.

Wenn dieser skandalös-sexy Superheld also eine deiner Freundinnen ansprechen würde, was würdest du ihr raten?

Genieße es! 😊

In einem Satz – was ist die Quintessenz deines Buches?

Die weibliche Lust und die Entdeckung der eigenen Schönheit.

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